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Was unsere Vorfahren zu essen pflegten

Im frühen Feudalismus, als sich das selbständige tschechische Volk gestaltete, kristallisierten sich die ersten böhmischen Gerichte gegenüber der allgemeinslawischen Kost heraus. Zu den hauptsächlichen Lebensmitteln gehörten damals Hirse, Honig, Eier, Hülsenfrüchte, Milch, Kohl, Pilze, Obst. Auch Salz wurde bereits verwendet. Einer der wichtigsten Bestandteile der nahrung unserer Vorfahren war das dunkle Brot. Der Chronist Kosmas erwähnt Brot mit Käse als Grundspeise des arbeitenden Mannes und berichtet weiter; dass es zusammen mit Milch, Sauermilch oder Buttermilch gegessen wurde.

Pfeiler der altböhmischen Kost waren auch Breie: Hirse-, Buchweizen- oder Heidekörner-, Hafer- und Griessbrei. Typüisch für die gute alte böhmische Küche war zudem die käufige Verwendung von Erbsen. Schliesslich gehörte alles, was man durch blosses Sammeln gewinnen konnte, zur Grundnahrung: z. B. verschiedenartige Speisewurzeln, Pilze und Waldfrüchte. In der Zeit der Not wurden sogar Eicheln gegessen. Ihren festen Platz hatten auch Äpfel, diente als Beilage beinahe zu allen Fleischarten. Zu den altherkömmlichsten bekannten Zubereitungen z. B. des Schweinefleischs gehört das Wellfleisch. Als Beilagen wurden schon damals verscheidenartige Wurzel- oder Blattgewürze benutz - z. B. Salbei oder Kresse, Pfeffer,Lorbeerblatt und Ingwer. Lorbeerblatt, Ingwer und andere Gewürze wurden sogar in die Weine gemischt. Jedenfalls hält dies Tomáš aus Štítný seinen Zeitgenossen kritisch vor.

Zu grossen Veränderungen des „ Tafelns " kam es im Laufe des 16. Jahrhunderts. Zeitgemässe Quellen führen an, dass „ausländische Erfindungen" die Schlichtheit der altertümlichen böhmischen Küche besiegen. Die Kochbücher empfahlen damals Speisen aus fremden Ländern und fremdartige Gerichte aus seltenen ausländischen Wildbretarten und Fischen. Geboten waren Limonen, d. h. Zitronen und Feigen, und „griechischer Wein", d. h. Rosinen, ebenso kostbarer Malvasier und überseeische Gewürze. Gewürzt wurde masslos und oft alles durcheinander. Die Anzahl der Gänge bei einem Essen wuchs immer mehr. In der Zeit der letzten Rosenberger wurden den Beamten in Krummau acht Speisen zum Mittagessen vorgelegt. Ein gewöhnliches Mittagessen im Wirtshaus im Jahre 1562 hatte vier bis sechs Gänge.

Bei der Tafelrunde hatte jeder sein Messer und seinen Löffel, nur die grosse Gabel zum Reichen des Fleisches blieb gemeinsam.

Angesichts dessen, dass man in dieser Zeit sehr früh, schon mit dem Sonnenaufgang „ins Werk" (in die Arbeit) zu gehen pflegte, passte sich dieser Tagesordnung auch die Küche an. Es wurde gewöhnlich zwei Stunden früher gefrühstückt als heutzutage, Mittagessen wurden gegen zehn Uhr verabreicht.

Das Frühstück hatte die unterschiedlichste Zusammensetzung - bei den weniger Begüterten war es Zwiebel mit Brot, Käse mit Brot, verschiedene Suppen (Knoblauch-, Graupen-, Erbsen- oder Biersuppe), bei den Wohlhabenderen konnten Fische, z. B. Hering mit Wein oder mit Bier aufgetischt werden, und zum Schluss ein Gläschen guten Branntweins.

Die Mittagessen (früher Gebrauchte man aufgrund einer höheren Zahl von Gängen den Plural begannen wie heute mit einer Suppe, dann folgte vorwiegend in Gewürzen gedünstetes Fleisch mit Sosse. Drittes Gericht war in der Bratpfanne gebratenes Fleisch, oft süss zubereitet, d. h. mit Honig, mit Zucker; mit Zwiebeln oder Äpfeln. Zutaten zu allen Fleischgerichten waren geröstete Brotschnitten. Viel käufiger als heute wurde zu den gewöhnlichen Mittagessen ein Fisch gegessen. Ein weiterer Bestandteil der Mittagessen war auch ein Brei, vor allem aus Erbsen, Graupen, Hirsen, Heidekorn, Linsen, Reis in den unterschiedlichsten Zubereitungen, arn häufigsten mit Blattkohl, Kraut, Rüben, Möhren, Kresse oder Gemüsesalat. Dazu gehörten auch verschiedenste Obstbreie. Die wichtigste Gemüseart war Kraut, welches mit Leinöl gefetter oft das ganze Jahr lang ein selbständiges Gericht bildete.

Als süsses Gebäck waren Krapfen, Buchteln (oder gebackene Knödel), Kolatschen, Liwanzen (oder gegossene Dalken), Palatschinken, Apfelstrudel und Honiglebkuchen arn meisten beliebt.

Zum Schluss pflegten unsere Vorfahren eine Weile bei einer Schüssel mit Äpfeln oder anderem Obst zu sitzen und es mit Bier nachzutrinken.

Zum Abendessen wurden gegen sechs Uhr ähnliche Gerichte wie zu Mittag gegessen, freilich in einer reduzierten Zusammensetzung.

In der Zeit nach der Schlacht auf dern Weissen Berg kommt es zwischen den einzelnen gesselschaftlichen Schichten zu einer grösseren Differenzierung der Kost. In den Schlossküchen wurde in der Zeit viel die spanische, französische, englische und besonders die italienische Küche nachgeahmt. Grosse Veränderungen brachte der Import von „Erdäpfeln ", d. h. Kartoffeln. Die erste Erwähnung über ihren Gebrauch in der Kost unserer Länder steht in einem Kochbuch aus dem Jahre 1712.

Die Zeit des 19. Jahrhunderts ist durch die Äre der patriotischen Bürgersfrau Magdaléna Dobrornila Rettigovä bekannt, die mehr als Tausend Kochrezepte niederschrie. Zu jeder Zeit wird die bunte Zusammensetzung der Kost verlassen, üblich werden Gulasche und gebratenes paniertes Fleisch. Das Zeitalter bring allerdings mehrere neue Gewürze. Aus der französischen Küche werden zudem Ragout, Torten, Schokolade und andere Süssigkeiten übernommen. Richlich wir Kaffee und Tee getrunken. Die Suppenfrühstücke verschwinden, die Breie treten ebenfalls in Hintergrund, mit Fett geht man nun verschwenderischer um.

Bis auf kleinere Veanderungen ist die böhmische Küche bis heute so geblieben.

Sie ist also gegenwärtig eher eine internationale Küche mit einigen tschechischen Spezifika.

Angesichts dessen, dass die altböhmischen Gerichte heute im Grunde untergegangen sind, erlauben wir uns, Ihnen für eine bessere Vorstellung zumindest ein kleines Bruchstück der altböhmischen Kost zu bieten.